Ablauf einer Scheidung in Dresden – von der Trennung bis zur Rechtskraft

Die meisten Menschen erleben ein Scheidungsverfahren genau einmal. Entsprechend groß ist die Unsicherheit darüber, was eigentlich passiert, wer wann was tut und wie lange das dauert. Die kurze Antwort: Es ist deutlich weniger dramatisch, als die meisten befürchten – aber es dauert länger, als die meisten hoffen.

Hier steht, was in welcher Reihenfolge geschieht und woran es liegt, wenn es sich zieht.

Der Ablauf im Überblick

StationWer handeltRealistische Dauer
TrennungsjahrSie beide12 Monate
Beratung, Unterlagen, AntragsentwurfAnwalt1–3 Wochen
Scheidungsantrag bei GerichtAnwalt
Zustellung an den anderen EhegattenGericht2–4 Wochen
Versorgungsausgleich: Auskünfte einholenGericht + Versorgungsträger3–6 Monate
Terminierung und ScheidungsterminGericht4–8 Wochen
Rechtskraftsofort oder ca. 6–10 Wochen

Gesamt: etwa 5 bis 10 Monate ab Antragstellung – bei einer einvernehmlichen Scheidung ohne streitige Folgesachen. Der mit Abstand größte Posten ist der Versorgungsausgleich, und darauf hat weder Ihr Anwalt noch das Gericht nennenswerten Einfluss.

Schritt 1 – Das Trennungsjahr

Vor dem Scheidungsantrag steht in aller Regel ein Jahr Getrenntleben. Das ist keine Formalie: In diesem Jahr entstehen die Ansprüche, über die später gestritten wird – Trennungsunterhalt, Auskunft über das Vermögen, Nutzung der Wohnung. Wer es einfach absitzt, verschenkt Geld.

Alles Wichtige dazu: Das Trennungsjahr

Den Antrag können Sie schon vor Ablauf des Jahres vorbereiten lassen. In der Praxis wird er häufig vier bis acht Wochen vorher eingereicht, damit Zustellung und Versorgungsausgleich anlaufen können. Entscheidend ist, dass das Trennungsjahr abgelaufen ist, wenn das Gericht entscheidet.

Schritt 2 – Beratung und Unterlagen

Zum ersten Termin brauche ich wenig, aber das Wenige vollständig:

Im Gespräch klären wir zwei Dinge: ob ein Anwalt genügt oder Sie beide Vertretung brauchen, und ob es Folgesachen gibt, die mit in das Verfahren sollen. Beides entscheidet über Dauer und Kosten.

Was eine Scheidung kostet – Tabelle und Rechner

Schritt 3 – Der Scheidungsantrag

Der Antrag muss von einem Rechtsanwalt eingereicht werden (§ 114 Abs. 1 FamFG). Er enthält im Kern die Angaben zur Ehe, das Trennungsdatum und die Erklärung, dass die Ehe gescheitert ist.

Welches Gericht zuständig ist, regelt § 122 FamFG in einer festen Rangfolge. Vereinfacht:

  1. das Gericht, in dessen Bezirk ein Ehegatte mit allen gemeinsamen minderjährigen Kindern seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat
  2. sonst das Gericht, in dessen Bezirk ein Ehegatte mit einem Teil der gemeinsamen minderjährigen Kinder lebt – vorausgesetzt, beim anderen Ehegatten wohnt keines
  3. sonst das Gericht des letzten gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalts, wenn einer der Ehegatten dort noch lebt
  4. sonst das Gericht am gewöhnlichen Aufenthalt des Antragsgegners

Für Dresdner Paare ist das in aller Regel das Amtsgericht Dresden – Familiengericht. Sie haben insoweit keine Wahl; die Zuständigkeit steht fest.

Mit dem Antrag fordert das Gericht den Kostenvorschuss an. Erst nach dessen Eingang wird zugestellt – wer hier trödelt, verlängert sein eigenes Verfahren.

Schritt 4 – Zustellung und Zustimmung

Das Gericht stellt den Antrag dem anderen Ehegatten förmlich zu. Ab diesem Moment läuft das Verfahren, und ab diesem Moment ist auch der Stichtag für den Zugewinnausgleich gesetzt.

Der andere Ehegatte kann nun der Scheidung zustimmen – dafür braucht er keinen eigenen Anwalt (§ 114 Abs. 4 Nr. 3 FamFG). Die Zustimmung wird entweder schriftlich bei Gericht erklärt oder im Termin zu Protokoll gegeben.

Stimmt er nicht zu, ist die Scheidung nicht blockiert, sie dauert nur länger: Nach drei Jahren Trennung gilt das Scheitern der Ehe unwiderlegbar als bewiesen (§ 1566 Abs. 2 BGB), eine Zustimmung ist dann nicht mehr nötig.

Schritt 5 – Der Versorgungsausgleich, der eigentliche Zeitfresser

Beide Ehegatten bekommen vom Gericht einen Fragebogen zu allen Rentenanwartschaften: gesetzliche Rente, Betriebsrenten, private Vorsorge, Beamtenversorgung, Zusatzversorgung.

Das Gericht schreibt anschließend jeden einzelnen Versorgungsträger an und wartet auf dessen Auskunft. Genau hier vergehen drei bis sechs Monate. Wer bei mehreren Arbeitgebern war, bei der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes ist oder eine Betriebsrente mitbringt, wartet länger – jede Auskunft, die fehlt, hält den Termin auf.

Was Sie beschleunigen können: den Fragebogen sofort und vollständig ausfüllen und Ihre Versicherungsverläufe vorab klären lassen. Was Sie nicht beschleunigen können: die Bearbeitungszeit der Träger.

Bei einer Ehezeit bis zu drei Jahren findet der Versorgungsausgleich nur statt, wenn ihn jemand beantragt (§ 3 Abs. 3 VersAusglG). Kurze Ehen sind deshalb oft in wenigen Monaten durch.

Versorgungsausgleich im Detail

Schritt 6 – Der Scheidungstermin

Der Teil, vor dem sich die meisten fürchten – und der fast immer der unspektakulärste ist.

Was passiert: Beide Ehegatten müssen persönlich erscheinen. Der Richter stellt die Personalien fest, fragt nach dem Trennungszeitpunkt und danach, ob Sie an der Scheidung festhalten. Anschließend wird der Versorgungsausgleich verkündet. Das war es.

Wie lange: Bei einvernehmlicher Scheidung ohne Folgesachen 15 bis 30 Minuten.

Ist es öffentlich? Nein. Familiensachen werden nicht öffentlich verhandelt.

Muss ich etwas sagen? Sie beantworten die Fragen des Richters. Reden müssen Sie sonst nicht – dafür ist Ihr Anwalt da.

Was ziehe ich an? Was Sie zu einem Termin bei der Bank anziehen würden. Eine Robe trägt nur der Richter.

Was, wenn ich meinem Ehepartner nicht begegnen will? Sagen Sie es vorher. Getrennte Wartebereiche und versetzte Ankunftszeiten lassen sich organisieren, in belastenden Fällen auch eine getrennte Anhörung.

Schritt 7 – Beschluss und Rechtskraft

Der Richter verkündet den Scheidungsbeschluss am Ende des Termins. Geschieden sind Sie damit noch nicht – dazu muss der Beschluss rechtskräftig werden.

Zwei Wege:

Das ist der praktische Preis der Scheidung mit nur einem Anwalt – für die meisten unerheblich, für jemanden mit konkretem Wiederheiratstermin nicht. Wer es vermeiden will, kann den nicht vertretenen Ehegatten für die Verzichtserklärung im Termin kurzfristig anwaltlich vertreten lassen.

Schritt 8 – Was danach zu tun ist

Die Scheidung beendet die Ehe, nicht Ihre Rechtsverhältnisse. Auf die Liste gehören:

Testament und Vorsorge nach der Scheidung

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Scheidung in Dresden insgesamt?

Vom Scheidungsantrag bis zum Termin realistisch fünf bis zehn Monate, bei streitigen Folgesachen deutlich länger. Rechnet man das Trennungsjahr mit, sind es ab der Trennung etwa 17 bis 22 Monate.

Müssen wir beide zum Termin?

Ja. Das persönliche Erscheinen beider Ehegatten ist die Regel. Ausnahmen bei Krankheit oder Auslandsaufenthalt sind möglich, müssen aber begründet und beantragt werden.

Können wir das Verfahren beschleunigen?

Nur an drei Stellen: den Fragebogen zum Versorgungsausgleich sofort zurückschicken, den Gerichtskostenvorschuss sofort zahlen und auf streitige Folgesachen im Verbund verzichten. Alles andere liegt bei den Versorgungsträgern.

Was ist eine Folgesache?

Ein Punkt, der zusammen mit der Scheidung entschieden wird: Versorgungsausgleich, Unterhalt, Zugewinn, Wohnung, Hausrat, Sorge- und Umgangsrecht. Der Versorgungsausgleich läuft von Amts wegen mit, alle anderen nur auf Antrag – und jeder verlängert das Verfahren.

Bekomme ich eine Scheidungsurkunde?

Nein, so etwas gibt es nicht. Sie erhalten den Scheidungsbeschluss mit Rechtskraftvermerk. Das ist das Dokument, das überall verlangt wird.

Ihr nächster Schritt

Wenn Sie wissen wollen, wo Sie in diesem Ablauf gerade stehen und was als Nächstes zu tun ist – rufen Sie an. Das ist meist in zwanzig Minuten geklärt.

Rechtsanwalt Falko Maiwald – Familienrecht, Dresden

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Stand: August 2026. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

Kontakt: Telefon 0351 898 520 · E-Mail info@maiwald-recht.de · Hospitalstraße 12, 01097 Dresden